Für einige Tage im Februar wird der kleine, beschauliche Ort Jokkmokk im schwedischen Lappland zum Treffpunkt für Menschen aus dem ganzen Norden. Dann findet der Jokkmokks Wintermarkt statt.
Seit Jahrhunderten kommen Menschen aus Schweden, Norwegen, Finnland und anderen Teilen des Nordens hier zusammen. Was früher vor allem Handelsplatz und Treffpunkt war, ist heute eine Mischung aus Markt, Kulturveranstaltung und Begegnungsort.
Es gibt samisches Kunsthandwerk und Design, Konzerte, Ausstellungen, Vorträge und natürlich jede Menge zu essen.
Auch ich wollte etwas von dieser besonderen Atmosphäre erleben und habe mich zusammen mit Freunden auf den Weg nach Jokkmokk gemacht.
Von Finnland zum Jokkmokks Wintermarkt
Um sieben Uhr morgens waren wir in Finnland gestartet. Knapp 350 Kilometer Autofahrt lagen vor uns. Als wir schließlich in Jokkmokk ankamen, empfing uns der Ort mit Sonnenschein und gerade einmal minus einem Grad.
Für Februar in Lappland beinahe sommerliche Temperaturen. Die Vögel zwitscherten und nach den langen, dunklen Wintermonaten konnte man tatsächlich schon ein wenig von Frühlingsgefühlen sprechen. Perfektes Wetter also, um sich einfach durch Jokkmokk treiben zu lassen. Auf den Straßen und zwischen den Marktständen herrschte bereits buntes Treiben. Überall gab es etwas zu entdecken: Kunsthandwerk, Kleidung, Schmuck, Lebensmittel und natürlich jede Menge Dinge, von denen ich vorher nicht wusste, dass ich sie unbedingt brauchte.


Samisches Handwerk und Design in Jokkmokk
Innerhalb kürzester Zeit hatte ich einen beträchtlichen Teil meiner schwedischen Kronen ausgegeben. Hier ein Paar handgestrickte Handschuhe, dort eine Wollstola – und zwischendurch ein Rentier-Kebab.
Wenn man wie ich ein Faible für nordisches Handwerk, Textilien und Design hat, fällt einem das Geldausgeben in Jokkmokk nicht besonders schwer. Besonders spannend fand ich die Verbindung zwischen traditionellen Elementen und modernem Alltag.
Auf dem Wintermarkt begegneten mir Menschen in traditioneller samischer Kleidung ebenso wie junge Sámi, die einzelne Elemente ihrer Kleidung ganz selbstverständlich mit moderner Outdoorbekleidung kombinierten. Tradition und Gegenwart stehen hier nicht nebeneinander. Sie gehören zusammen. Genau das macht Jokkmokk für mich so interessant.
Was ist Duodji?
Wer sich für samisches Handwerk interessiert, begegnet in Jokkmokk immer wieder dem Begriff Duodji. Damit ist das traditionelle samische Kunsthandwerk gemeint. Gearbeitet wird unter anderem mit Holz, Leder, Textilien, Wolle, Metall, Horn und anderen Materialien. Viele Gegenstände sind nicht nur dekorativ, sondern haben ihren Ursprung im täglichen Leben. Messer, Taschen, Schmuck, Kleidung und Gebrauchsgegenstände erzählen von handwerklichem Wissen, das über Generationen weitergegeben wurde.
Gerade deshalb lohnt es sich, beim Kauf genauer hinzusehen und authentisches samisches Kunsthandwerk direkt bei samischen Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerkern oder anerkannten Verkaufsstellen zu kaufen.


Essen auf dem Jokkmokks Wintermarkt
Natürlich gehört für mich zu einer Reise in den Norden immer auch das Essen. Und davon gibt es auf dem Wintermarkt reichlich.
Rentierfleisch spielt erwartungsgemäß eine wichtige Rolle. Es gibt Suppen, Würste, geräuchertes Fleisch und verschiedene Gerichte mit Rentier. Ich entschied mich damals für einen Rentier-Kebab. Nicht gerade traditionelle samische Küche – aber ein gutes Beispiel dafür, wie sich Lebensmittel und kulinarische Traditionen im Norden verändern und weiterentwickeln. Daneben findet man auf dem Markt regionale Lebensmittel, Fisch, Käse, Brot, Gebäck und Produkte aus den Wäldern und der Natur Lapplands. Gerade im Winter versteht man hier sehr gut, wie eng die Küche des Nordens mit den klimatischen Bedingungen verbunden ist. Konservieren, Trocknen, Räuchern und Fermentieren waren über Jahrhunderte keine kulinarischen Trends, sondern notwendig, um Lebensmittel für die langen Winter haltbar zu machen.
UPDATE 2026: Viele dieser Lebensmittel, Traditionen und Geschichten begegnen mir seit Jahren auf meinen Reisen durch Lappland und die nordischen Länder. Auch mein Kochbuch „Nordische Winterküche“ ist aus dieser Verbindung zwischen Reisen, Landschaften, Menschen und Essen entstanden. Darin findest du Rezepte und Geschichten aus Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark – von wärmenden Alltagsgerichten bis zu Festtagsessen und Gebäck für die dunkle Jahreszeit.
Mehr als ein Markt: Samische Kultur in Jokkmokk
Wer den Wintermarkt nur wegen der Verkaufsstände besucht, verpasst einen wichtigen Teil. Während der Markttage gibt es ein umfangreiches Kulturprogramm. Konzerte, Kunstausstellungen, Vorträge, Workshops und weitere Veranstaltungen bieten die Möglichkeit, sich intensiver mit samischer Kultur und Gegenwart auseinanderzusetzen.
Denn die Sámi sind keine historische Volksgruppe, die nur in Museen und auf traditionellen Märkten existiert. Die samische Kultur ist lebendig und vielfältig. Sprache, Musik, Kunst, Handwerk, Politik und die Frage nach Landrechten und Selbstbestimmung gehören ebenso dazu wie traditionelle Lebensweisen und Rentierhaltung. Wer Jokkmokk besucht, sollte sich deshalb Zeit nehmen und nicht nur von Marktstand zu Marktstand laufen.
Ájtte – das Museum zur samischen Kultur und Bergwelt
Ein Ort, den ich bei einem Besuch in Jokkmokk unbedingt empfehlen würde, ist das Ájtte Museum. Das Museum beschäftigt sich mit der Kultur und Geschichte der Sámi sowie mit Natur und Leben in der schwedischen Bergregion. Gerade wenn du zum ersten Mal nach Jokkmokk reist und bisher wenig über samische Geschichte und Kultur weißt, lohnt sich ein Besuch. Auch der Museumsshop ist interessant, wenn du Bücher, Kunsthandwerk oder Produkte mit Bezug zur samischen Kultur suchst. Ich würde für das Museum ausreichend Zeit einplanen und es nicht nur als Programmpunkt zwischen zwei Marktbesuchen betrachten.

Meine Tipps für einen Besuch des Jokkmokks Wintermarktes
1. Wenn du den Wintermarkt besuchen möchtest, solltest du deine Reise möglichst früh planen.
2. Jokkmokk ist klein und während der Markttage kommen viele Besucher in den Ort. Unterkünfte in Jokkmokk und der näheren Umgebung sind deshalb schnell ausgebucht.
3. Plane außerdem ausreichend Zeit ein. Ich war damals nur für einen Tagesausflug in Jokkmokk. Das war wunderbar, aber heute würde ich länger bleiben. Mindestens zwei Tage wären meine Empfehlung.
4. Auch bei der Kleidung solltest du dich auf winterliche Bedingungen einstellen. Wir hatten damals mit minus einem Grad ungewöhnlich mildes Wetter. Im Februar kann es in Jokkmokk jedoch erheblich kälter sein.
5. Und mein wichtigster Tipp: Schau dir vor deiner Reise das aktuelle Veranstaltungsprogramm an. Viele der spannendsten Veranstaltungen finden nicht zufällig beim Bummel über den Markt statt, sondern müssen bewusst eingeplant werden.
www.jokkmokksmarknad.se
6. Sámi Duodji: Der beste Ort, um authentische samische Kunsthandwerk zu erwerben. Die Werkstatt und Galerie sind auf Produkte aus natürlichen Materialien spezialisiert. Erhältlich sind bunte Sami Textilien, zierlicher handgefertigter Schmuck sowie Produkte aus Hölzern und Hörnern von einheimischen Künstlern.
7. Kulturhuset Gamla Apoteket: Vollgepackt mit Fuchsfellen, handgefertigte Strickwaren und Wollknäuel in allen erdenklichen Farben, ist Hantverksbutiken (der Kunsthandwerksladen) ein toller Ort, um sich umzusehen. An den Wänden sind ordentlich Handtaschen aus Leder und traditionellen Sami Messer aufgereiht. Wer auf selbstgestrickte Socken steht ist hier genau richtig. Ich habe mir auch welche gekauft.
8. STOORSTÅLKA : Hier gibt es junges Sami-Design frei nach dem Slogen Design by Sámis, for Sámi people, and equally cool souls. Desweiteren gibt es Utensilien und Anleitungen zum selberherstellen. Und das beste, man kann alles online shoppen.
9. Und zu guter letzt noch der Sami-Musik-Tipp meiner Freundin Elina: Sofia Jannok! Das dritten Album AHPI – Wide As Oceans hat uns auf der Autofahrt nach Jokkmokk begleitet und wird definitiv den Weg in mein CD-Regal finden und mich für immer an diesen wunderschönen lappländischen Frühlingstag in Jokkmokk erinnern.

Hallo Michaela, dein Blog ist toll! Das ein oder andere Rezept muss ich unbedingt ausprobieren.Die Geschichten über Lappland und die Sami sind sehr schön.Falls du Lust und Interesse hast, freue ich mich über einen Besuch auf http://www.tarjasblog.de Da findest du weitere Geschichten über Lappland, Rentiere und samische Kultur.Vielleicht magst du mich gar in deine Blogliste aufnehmen? schöne Grüße vom Bodensee, tarja