Meine 10 Sommer-Tipps für Lappland

Es ist Sommer und ich bin in Lappland – und glücklich! Ihr wart noch nie in Lappland? Wißt nicht genau wohin und wie und was?

Während Finnisch-Lappland als Winterziel inzwischen recht beliebt ist, ist der Sommer hier oben fast Touristenfrei. Keine Huskysafaris, keine Übernachtung im Eishotel, kein Apresski. Sogar der Weihnachtsmann hat seine Sprechzeiten reduziert. Ähnlich wie Mancherorts in den Alpen, wirken die für die Wintertouristen extra aus dem Boden gestampften Orte im Sommer sehr verlassen bis skuril. Aber das tangiert nicht weiter, schließlich ist Lappland groß und wer Natur und Stille sucht wird sie hier finden. Die Schönheit der lappländischen Einsamkeit muss man sich dann höchstens noch mit den abertausenden von Mücken teilen. Oh ja, es gibt sie wirklich! Es ist nicht nur ein Vorurteil. Ihr habt euch bis jetzt noch nicht abschrecken lassen? Dann lest weiter!

Hier meine persönlichen Tipps für den Sommer in Lappland:

Mittsommer Lappland

1. Die Mitternachtssonne

Wer den Zauber der Mitternachtssonne einmal erleben möchte sollte unbedingt nach Lappland fahren, um so nördlicher um so beeindruckender. Denn nur hier, weit oberhalb des Polarkreises, scheint gute zwei Monate lang die Sonne rund um die Uhr.
Die nachtlosen Nächte verlängern den Urlaub fast um das doppelte. Gerade oberhalb des Polarkreises nehmen die Tage im Sommer gar kein Ende. Oft muss ich mich dann regelrecht dazu zwingen ins Bett zu gehen. Aber wie heißt es so schön in einem finnischen Sprichwort „Schlafen kann man auch im Winter“. Man könnte fast meinen die Finnen versuchen in dieser Zeit all das nachzuholen, was sie in den langen dunklen Wintermonaten verpasst haben. Man muss es einfach mal erlebt haben, mal gesehen haben wie sich die Welt verändert, wenn sie in das Licht der Mitternachtssonne getaucht wird. Erst dann versteht man die Magie der yötön yö.

finnische Erdbeeren

2. Sommermärkte

Im Sommer sollte man nach kesämarkkinat-Plakatierungen Ausschau halten. Die sogenannten Sommermärkte sind der perfekte Ort um sich ein wenig unter das Volk zu mischen und allerlei finnische Köstlichkeiten oder Alltagsdinge zu erwerben. Von selbstgeräuchertem Fisch, finnischen Erdbeeren, Angelequipment bis hin zu den neusten Quads (ganz wichtig in Lappland) gibt es einfach alles! Gerade bei den finnischen Küchenutensilien bin ich schon oft schwach geworden. So richtig finnisch wird es meistens im Karaoke-Zelt. Und auch sonst lohnt sich immer ein Blick ins Rahmenprogramm

Festival Inari

3. Festivals

Im Sommer ist ganz Finnland im Festivalfieber! Das Angebot reicht vom mehrtägigen Musikfestival bis hin zum internationalen Filmfestival – während des kurzen finnischen Sommers ist fast jeden Tag irgendwo etwas los. Es wird bis tief in die nachtlosen Nächte gefeiert. Vor allem Filmfans kommen auf ihre Kosten. Jedes Jahr im Juni findet das Midnight Sun Film Festival in Sodankylä statt. Ganz anders aber auch schön, ist das Folk Festivals Jutajaiset in Rovaniemi. Ich persönlich bin allerdings eher ein Fan der kleinen Festivals, wie das Ijahis idja (Mehr dazu auf meinem Blog >>> Ijahis idja – ein Musikfestival oberhalb des Polarkreises).

Infos zu weiteren Festivals:
www.festivals.fi

Museum LapplandAtelier Lappland

4. Kunst in Lappland 

Reidar Särestöniemi, die finnische Antwort auf Picasso, sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Das Zuhause des bekannten finnischen Malers Reidar Särestöniemi (1925-1981) bei Kaukonen ist einen Besuch wert – nicht nur der Kunst wegen. Das Museum umfasst mehrere Gebäude. Das Elternhaus Reidars, ein Bauernhof aus dem 19. Jahrhundert, seinem Atelier und einer Galerie. Heute macht gerade der Mix aus alt und neu den Reiz dieses Museums aus. (Mehr dazu auf meinem Blog >>> Kunst in Lappland: Reidar Särestöniemi)

Infos zum Museum:
www.sarestoniemenmuseo.fi

Rovaniemi Weihnachtsmanndorf

5. Rovaniemi

Rovaniemi, allseits bekannt als Sitz des Weihnachtsmanns, ist quasi das Tor zum Norden. Eigentlich wunderschön am Zusammenfluss von Ounasjoki und Kemijoki gelegen. Da aber leider im Lapplandkrieg von den deutschen Truppen fast vollends zerstört, fehlt heute jegliche alte Bausubstanz. Architektonisch gesehen also keine Augenweide, darüber hilft auch keine Alvar Aalto Stadthalle hinweg.
Trotzdem sollte man sich die Stadt nicht entgehen lassen! Ich persönlich nutze Rovaniemi zwar in erster Linie nochmal für einen ordentlichen Großeinkauf, bevor es dann weiter in den dünner besiedelten Norden geht. Aber ein Museum möchte ich euch doch ans Herz legen – das Arktikum! Wunderbar aufbereitet kann man hier alles über die arktischen Gebiete sowie die Geschichte Lapplands erfahren.
Ob man nun zum Weihnachtsmanndorf muss, mag man geteilter Meinung sein. Aber ich würde sagen, mit Kindern, ein absolutes muss! Toll finde ich auch, dass man im Weihnachts-Postamt Karten verschicken kann, die dann genau zu Weihnachten ankommen.
Und zu guter Letzt verrate ich euch auch noch mein Lieblingscafe, beziehungsweise Bar: das Kauppayhtiö.

Rovaniemi-Infos:
www.visitrovaniemi.fi
www.arktikum.fi
www.kauppayhtio.fi

Wandern LapplandLappland Sumpf

6. Wandern

Wenn Lappland eines hat dann viel Natur! Und die lässt sich natürlich am schönsten genießen, wenn man sich mitten rein begibt. Also heißt es Wanderschuhe schnüren! Allerdings empfehle ich das gerade in den Monaten Juni/Juli wirklich nur den hartgesottenen Outdoorfans. Ich sage nur Mücken! Nur zu oft führen die Wanderwege über hölzerne Stege, durch die Lappland typische Moorlandschaft. Der bekannteste und mit der schönste Nationalpark ist der Pallas-Yllästunturi-Nationalpark. Mir persönlich gefällt aber auch der Lemmenjoki-Nationalpark sehr gut. Die Wanderwege sind tip-top ausgezeichnet. Am Wegesrand gibt es jede Menge gratis verfügbarer Hütten für Übernachtungen, manchmal sogar mit Sauna. Aber auf jeden Fall immer mit reichlich Feuerholz zum Kochen.

 

Buch-Tipp:
Finnisch-Lappland aus der Reihe Outdoor Regional
Conrad Stein Verlag
156 Seiten
ISBN: 978-3866863590

 

Infos zu den Nationalparks:
www.nationalparks.fi

 

Finnland Preiselbeeren

7. Wilde Köstlichkeiten

Ich persönlich liebe den Spätsommer. Dann steht hier oben im Norden der Herbst schon vor der Türe– jetzt kann gesammelt, gepflückt, eingekocht oder getrocknet werden! Zu dieser Jahreszeit gehe ich in Finnland nie ohne Körbchen aus dem Haus, denn es ist fast undenkbar an den wilden Köstlichkeiten vorbei zu gehen. Man streicht durch die Wälder und braucht sich nur bedienen! Blaubeeren, Preiselbeeren, Pilze – die Liste ist schier unendlich! Und Dank dem finnischem Jedermannsrecht ist das auch völlig legal! Jedermannsrecht bedeutet: Jeder darf sich überall in der Natur frei bewegen und auch überall Beeren und Pilze sammeln, allerdings nur zum Eigenbedarf versteht sich. Ich muss jedoch gestehen, nur allzu oft habe ich schon meine Heimreise mit etlichen Gläsern eingeweckten Preiselbeeren oder Blaubeermarmelade im Kofferaum angetreten. Ganz zu schweigen von den getrockneten Steinpilzen, auf die die Daheimgebliegenen schon so sehnsüchtig warten.

Ufer Inarisee

8. Inari-See

Der Inari-See ist nicht nur der drittgrößte See Finnlands, sondern ist für die Samen, die Urbevölkerung Lapplands, ein heiliger See. Und für mich der perfekte Ort um meinen Alltag weit hinter mir zu lassen und die Welt mal wieder aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten.
Wer sich also nicht von Mückenschwärmen abschrecken lässt, sich für die Kultur der Samen interressiert und der arktischen Natur ganz nahe sein möchte, ist hier genau richtig! (Mehr Tipps & Infos zu den Samen in Finnland, Schweden und Norwegen findet ihr hier >>> Auf den Spuren der Samen – wo geht das?)

9. Lappland-Pack-Liste

Nehmt mit was euch gefällt – für den Lapplandsommer gibt es keinen Dresscode! Es ist nicht wichtig welche Kleidung du trägst, oder wie hip du bist. Praktisch muss es sein! Und klar sollte man unbedingt auch Kleidung für schlechteres Wetter im Gepäck haben.
 Die Temperaturen können zwischen 0 °C und 30°C liegen. Ich empfehle den klassischen Zwiebellook. Es kann sein, dass man morgens das Haus mit Regenjacke verlässt und mittags im Top dasitzt. Auch wenn das Thermometer nur 15°C anzeigt, die Sonneneinstrahlung ist wahnsinnig intensiv. Also auch Sonnenbrille und Sonnencreme einpacken! Das Mückenspray hingegen könnt ihr ruhig zuhause lassen. Nicht weil es vielleicht doch keine gib, sondern weil die Produkte aus dem finnischen Supermarkt einfach wirkungsvoller sind

10. Lappland Spezialitäten

Ein kulinarischer Tipp muss natürlich auch mit rein! Und da ich mich nicht auf einen beschränken konnte, gibt es zwei: Rentiergeschnetzeltes – schließlich ist Lappland Rentierzuchtgebiet. Das heißt, hier oben in Norden leben die Rentiere das ganze Jahr in freier Wildbahn und ernähren sich hauptsächlich von Gräsern, Flechten, Pilzen und Rinden. Ich würde sagen, ein besseres Fleisch könnt ihr nicht bekommen.
Und Leipäjuusto mit Moltebeeren. Die Moltebeeren werden auch als das Gold Lapplands bezeichnet und sind sogar auf der finnischen 2 € Münze abgebildet. Reich an Vitaminen und Spurenelementen inzwischen zum Superfood geworden, sind zudem nicht so einfach zu ernten, da sie besonders gerne in sumpfigen Gebieten wachsen. Hat man allerdings erst einmal eine Stelle gefunden, wo Moltebeeren wachsen, wird sie wie ein Familiengeheimnis gehütet.
(Die Rezepte findet ihr hier >>> Rentiergeschnetzeltes und hier >>> Leipäjuusto mit Moltebeeren)

 

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