Logbuch: 3. Tag Nordische Filmtage in Lübeck

 

„Des Teufels Braut“

Der dritte Festivaltag beginnt düster und ziemlich früh. Um 9.30 Uhr laufen wir los, ohne Frühstück, und mangels Bäcker auf dem Weg gucken wir das Hexenjagd-Drama „Des Teufels Braut“ auf nüchternen Magen.
Los geht’s mit wunderschönen Bildern von den Åland-Inseln anno 1666. Die 16-jährige Anna hüpft barfuß von Stein zu Stein, sammelt Blumen und Kräuter für ihre Ziehmutter, die Hebamme und Heilkundige des Ortes. Dann lernen wir ein paar Bewohner des Dorfes kennen, darunter den ekelhaft bigotten Pfarrer, der in Gottes Namen junge Mädchen vergewaltigt, und den frisch zugezogenen Richter Psilander, der gegen den weit verbreiteten Volksglauben an die Heilkraft der Natur vorgehen will, weil er ihn für Teufelswerk hält.
Anna verliebt sich heftig in Elias, einen verheirateten Mann und Vater zweier Kinder, und weil sie vor lauter hormoneller Verzückung nicht mehr klar denken kann, beschließt sie, Elias‘ Frau Rakel als Hexe zu denunzieren, um ihren Platz einnehmen zu können.
Diese Riesensauerei wird ihr später leid tun, und sie wird ihr Vergehen wiedergutmachen, indem sie sich selbst den Hexenjägern ausliefert und damit Rakels Leben rettet. Am Ende des Films sind einige Frauen erst geköpft und dann verbrannt worden und wir haben eine Protagonistin gesehen, die erst in die Irre geht und dann die Größe hat, ihren Fehler durch ein großes persönliches Opfer zu revidieren.

Wie so oft ist es qualvoll zu sehen, wenn Frauen der Willkür von Männern ausgesetzt sind, und es hat unsere Stimmung auch nicht gehoben, dass hier immerhin zwei zueinander halten.

 

„Drifters“

Ähnlich düster ist die schwedische Produktion „Drifters“, die wir im Anschluss schauen. Es geht um Leute am Rand der schwedischen Gesellschaft.
Hauptfigur ist die 30-jährige Minna, die Speed zu gerne mag und deshalb welches verkaufen muss. Weil das nicht reicht, beschubst sie bei passender Gelegenheit einen anderen Straßendealer, handelt sich dadurch Ärger mit dem lokalen Drogenboss Christer Korsbäck ein, muss aus der Stadt verschwinden und taucht unter in einem Wohnwagencamp. Wo ihre Vergangenheit sie natürlich bald einholt. Die einzige, die ihr hilft, als die Kacke richtig zu dampfen beginnt, ist Katja, die Minna unterwegs kennengelernt hat. Auch hier wiederholt sich das Motiv, dasss eine Frau bereit ist, viel, vielleicht alles zu opfern, um einer anderen zu helfen.

Nur sieben Charaktere werden von Schauspielern verkörpert, alle anderen Rollen spielen Laiendarsteller, die dem Stück viel Authentizität verleihen. Zu viel, um es einem Massenpublikum schmackhaft zu machen, hätte ich gedacht, aber von der Hauptdarstellerin, die bei der Vorführung anwesend ist, erfahren wir, dass „Drifters“ ein sattes halbes Jahr lang in Schweden im Kino lief. Respekt.

Trotzdem brauchten wir nach diesen beiden Filmen erst mal einen langen Spaziergang durch die Kaufmannssolidität von Lübeck.

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