Åland: Inselhopping im
finnischen Schärengarten

Sommer auf Aland

Viel zu oft habe ich die Åland Inseln schon links liegen lassen auf meinem Weg nach Finnland. Diesmal sollte es anders sein!

Auf halber Strecke zwischen Schweden und Finnland liegen rund 6700 Schäreninseln, die zwar zu Finnland gehören, aber doch irgendwie eher schwedisch sind.
Das Åland anders ist als der Rest von Finnland, fällt mir schon auf während ich auf die Fähre warte die mich von Grisslehamn (Schweden) nach Eckerö (Åland) bringen soll – die Ålandänder haben ein auffallend anderes Autokennzeichen. Eigentlich verwundert es nicht weiter, schließlich ist Åland weitgehend autonom. Dazu gehören eben ein eigenes Autokennzeichen, eigene Nationalhymne, eigene Briefmarken und nicht zu vergessen die Flagge, ein gelb-rotes Kreuz vor azurblauem Hintergrund. Eins steht also fest – Åland legt Wert auf seine Autonomie. Das alles lässt vermuten, dass die Inseln auf eine bewegte Vergangenheit zurück blicken können. Früher also heftig umkämpft, heute hingegen die Idylle pur! Felsige Küsten, kleine Badebuchte, einsame Kiefernwälder und die unendliche Stille.

Dies vor Augen brachte mich dazu meine Anreisepläne nach Finnland zu überdenken und mal nicht zu schauen, wie komme ich am schnellsten von München nach Lappland. Nein, diesesmal hatte ich mich bewusst gegen einen der dicken Pötte die zigfach den Bottnischen Meerbusen kreuzen entschieden und stattdessen die Fahrpläne von Ålandstrafiken im Gepäck. Slow Travel sollte das Stichwort meiner Finnlandanreise werden!

Sommer auf Aland

Ich übe mich also in Entschleunigung und buche keine einzige Fähre im
voraus. Ein wenig gewagt, schließlich sind die Kapazitäten der kleinen Åland-Fähren eher beschränkt und wie ich feststellen musste – Ålander haben immer Vorrang, da hilft es auch nichts wenn mal als erster am Fährhafen ist.  Aber ich habe Glück, es ist Anfang August, der größte Rummel ist vorüber, denn sowohl in Schweden als auch in Finnland hat die Schule wieder begonnen und ich muss nur einmal auf die nächste Fähre warten weil mein Auto keinen Platz mehr hat. Aber das Warten gehört dazu – zum Inselhopping. Viel Zeit zum in der Sonne sitzen, lesen und Kaffee trinken (Thermoskanne vorausgesetzt).

Erstmal an Bord, genieße ich es dann stundenlang an Deck zu stehen, Inselchen mit und ohne Holzhäuschen an zugucken und das Zu- und Entladen in den Häfen zu beobachten. Da wird schon mal eine ganze Palette Erdbeeren auf dem einsamen Kai zurückgelassen. Der Empfänger wird schon irgendwann kommen und sie abholen.

Ja, gemütlich geht es zu, auf den Åland Inseln. So lasse auch ich mich einfach treiben. Die Strassen führen durch blühende Wiesen und ruhige Wälder zu beschaulichen Badebuchten vorbei an kleinen Dörfer und mittelalterlichen Ruinen. Abgesehen von Mariehamn, wo sich die Tagestouristen knubbeln, gehen in Åland die Uhren langsamer.

Eins ist mir jetzt klar – wer nur hindurch fährt verpasst das Beste!

 

Tipps & Infos

Die Fähren von Ålandstrafiken verbinden Ålands Hauptinsel mit den Schären und der Region um Turku. Es gibt eine Nord- und eine Südroute, über die man das finnische Festland erreicht. Sowie zwei weitere Routen, die die Inseln innerhalb des Schärengartens verbindet.

Karte Aland Inseln

Norra Linie (nördliche Linie) verkehrt zwischen
Hummelvik, Vardö und Osnäs auf dem finnischen Festland. Die Fähren
entlang der nördlichen Linie halten unteranderem an den Inseln Kumlinge,
Lappo und Brändö. Von Åva, Brändö aus kann man dann weiter nach Osnäs oder auf die Insel Jurmo.

Södra Linie (südliche Linie)
verkehrt zwischen Långnäs und Galtby, Korpo auf dem finnischen
Festland. Die Fähren entlang der nördlichen Linie hält an den Inseln
Föglö, Sottunga, Husö, Kyrkogårdsö und Kökar.

Tvärgående Linje (Querlinie) verkehrt zwischen Långnäs, Lumparland und Snäckö, Kumlinge via Överö, Föglö.

Föglölinjen (Föglö Linie) betreibt die kurze Passage zwischen Svino, Lumparland und Degerby, Föglö.

Desweiterem werden kleinere oder abgelegenere Inseln teilweise von kostenfreien Kabelfähren angefahren.

Die Fähren sind Åland Fortbewegungsmittel Nummer eins, das spiegelt sich auch in der Preisgestaltung wieder. Wer ohne Auto unterwegs ist reist per se schon mal kostenlos, nur Fahrzeuge sind kostenpflichtig. Es gibt noch weitere Besonderheiten, wer mindestens eine Nacht auf den Schäreninseln verbringt zahlt nur einmal ein Ticket bei der Abfahrt von einem Endhafen (z.B. Hummelvik nach Kumlinge, €34), die Rückfahrt nach Hummelvik oder die Weiterfahrt nach Finnland ist dann umsonst. Das heißt, man kann in der Theorie unbegrenzt oft von einer zur anderen Schäreninsel fahren, solange man keinen Endhafen anfährt. Durchfahrten von Endhafen zu Endhafen ( z.B. Hummelvik nach Osnäs, €122) in einem Stück sind hingegen wesentlich teurer und können nicht im voraus gebucht werden. Ansonsten bietet Ålandstrafiken ein praktisches Online-Buchungssystem an. Gerade in den schwedischen
und finnischen Sommerferien (Mittsommer bis Anfang August) ratsam.

Weitere Infos:
www.visitaland.com
www.alandstrafiken.ax
www.ferryto.de

  1. Was für tolle Tipps und was für wunderschöne Fotos 🙂
    Ich bin ja ein absoluter Norden Fan und hoffe sehr, dass ich es nächstes oder spätestens übernächstes Jahr endlich mal in den Norden schaffe und dort auf Entdeckungstour gehen kann 🙂

    Liebste Grüße
    Anna von Canistecture

  2. …sehr schön beschrieben…wie die Uhren auf Åland anders gehen… danke! 🙂 herzlich, tarja

  3. Pingback: Tipps für den Sommerurlaub in Finnland

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