Surviving-Tipps für den
finnischen Winter:
Die richtige Kleidung bei Kälte

Es ist noch nicht lange her, da stand ich am Flughafen von Kittilä und war mal wieder sehr überrascht, wen die Chartermaschiene aus Großbritannien nach Lappland mitgebracht hatte. Leute in Ballerinas, Leinenstiefelchen und Plastikjacken die gerade mal den Bauchnabel bedecken. Angesichts der -20°C hatte ich direkt Mitleid mit ihnen. Ich nehme zwar nicht an, dass einer meiner Leser zu dieser Art von Touristen zählt, aber die Begegnung gab mir doch zu denken. Gerade im Norden von Finnland kann das Thermometer im Januar und Februar schon mal auf -40°C fallen. Da sollte man gewappnet sein! Für all die, die sich trotzdem der Herrausforderung des finnischen Winters stellen möchten, für die starte ich heute diese 4-teilige Serie mit vielen Tipps und Tricks. Teil 1 widmet sich gleich einem der wichtigsten Themen: Was zieht man an wenn das Thermometer unter null fällt?

Aber wie heißt es so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung! Das A und O ist das altbewährte Zwiebelsystem. Und keine Angst, alle anderen sehen auch aus wie kleine Michelin-Männchen! Und wenn es euch beruhigt, so manch einer ist überrascht, dass -20°C sich gar nicht so kalt anfühlt, wie befürchtet.

Die richtige Kleidung bei Kälte

Lange Unterwäsche

Den Anfang des Zwiebel-Looks macht die Thermounterwäsche. Was so unsexy klingt, ist wohl das wichtigste Kleidungsstück. Schließlich hat sie den engsten Körperkontakt und besitzt die wichtigste Aufgabe, uns warm und trocken zu halten. Die Bandbreite reicht von Wolle bis hin zu hochwertigen Fleece-Material und Kunstfaser. Es kommt ein wenig darauf an, was ihr vorhabt. Für sportlich Aktive sind die Materialien aus Kunstfaser sicherlich die bessere Wahl, da sie auch in nassem Zustand gut wärmen. Der Nachteil ist jedoch, sie fangen leider relativ schnell an zu muffeln. Ich persönlich trage am liebsten Merinowolle oder wenn es nicht all zu kalt ist auch gerne Seide. Aber das ist wie gesagt Geschmacksache.

Pullover

Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt reicht ein Thermounterhemt allein natürlich nicht aus. Die zweite Schicht sollte ein warmer Pullover oder Rolli sein, gerne aus Wolle oder Funktionsmaterial. Auch Fleece-Jacken haben sich bewährt. Ich kann euch nur den Tipp geben, achtet darauf, dass ihr euch nicht zu warm anzieht! Unnötiges schwitzen sollte man auf jeden Fall vermeiden.

Jacke

Ich gestehe auch in der Jackenwahl sind bei mir Naturprodukte Trumpf. Ab -20°C kommt bei mir die gute alte Daunenjacke zum Einsatz. Bei nicht so tiefen Temperaturen tut es auch mal der dicke Walkjanker. Es sei denn es schneit oder windet, dann ist der beschichtete Baumwoll-Anorak meine erste Wahl. In jedem Fall sollte man darauf achten, dass die Jacke weit genug geschnitten ist, damit man diverse Schichten darunter tragen kann.

Hose

Man muss nicht gleich immer die Thermohose anziehen. Die kommt bei mir erst bei extremen Minusgraden aus dem Schrank, wenn überhaupt. Oft mache ich es wie die Finnen und ziehe einfach nur eine Outdoorhose mit Zip an der Seite über meine Jeans, die ich auch im Haus trage, an. Das ist sehr praktisch wenn man in beheizten Räumen nicht mit der dicken Hose rumlaufen will. Wenn natürlich Outdooraktivitäten wie Hundeschlittenfahren auf dem Programm stehen sollte man auf eine wasser-und winddichte Thermohose nicht verzichten.

Schuhe und Socken

Kalte Füße, es gibt fast nichts schlimmeres! Viele machen den Fehler bei frostigen Temperaturen mehrere Socken übereinander an zuziehen. Dabei sollte man lieber darauf achten, dass die Schuhe im Zehenbereich genügend Platz haben. Dieses Luftpolster hält die Zehen nämlich schön warm. Auf Baumwollsocken sollte man am besten gänzlich verzichten und lieber auf Wollsocken zurückgreifen. In puncto Winterstiefel gilt: Je weniger man bei Kälte in Bewegung ist, je wichtiger ist eine dicke Isolierschicht. An dieser Stelle möchte ich dann doch mal eine Kaufempfehlung aussprechen. Bei extremer Kälte sind Stiefel von der kanadischen Firma Baffin ( in einer unteren Temperaturgrenze von -50°C oder -100°C ) einfach unschlagbar. Für aktivere Leute reichen Winter-Wanderschuhe völlig aus.

Handschuhe, Mützen und Schal

Ganz generell ist zu sagen Faust-sticht Fingerhandschuh, aus schon erwähnten Luftpolster-Gründen. Wer jedoch gar nicht auf Fingerhandschuhe verzichten möchte, geht auch hier auf das Zwiebel-Prinzip. Fingerhandschuhe aus Fleece unter Wollfäustlingen – kann ich nur empfehlen!
In puncto Kopfbedeckung ist wichtig, dass die Stirn und die ganzen Ohren gut bedeckt sind, ein Stirnband oder ein Schlupfschal kann oft auch schon reichen. Auf einen Schal sollte man auf keinen Fall verzichten. Zum einen hält er die Halspartie schön warm und zum anderen kann man ihn bei eisigen Wind über Mund und Nase ziehen. Gerade ab -30°C merkt man die Kälte bei jedem Atemzug deutlich. Auch eine Sturmmaske ist dann in Betracht zu ziehen.

Wollt ihr wissen, wie man nicht nur warm sondern auch tres chic durch den Winter kommt? Nehmt euch ein Beispiel an den Skandinaviern! Hier einige Nordic-Must-Haves für euch:

 

1. Kukka Reflecktorbroche
Diese hübsche und gleichzeitig sehr nützliche Ansteck-Blume wurde von Saara Renvall designed. So wird man auch in langen Winternächten gut gesehen. Preis ca. 34 €
www.kukkakukka.com


2. Hilda von UNDIIN
Handgestrickte Fäustlinge aus Estland. Kristi Everst kombiniert alte und neue Muster, mit natürlichen Materialien und macht sie so zum absoluten Hingucker. Man kann bei ihr direkt oder über etsy bestellen. Preis auf Anfrage
www.undiinblog.wordpress.com

3. Luhkka von Fjällräven
Knielanges Cape, inspiriert von der vielseitigen und praktischen Luhkka der Samen. Gibt es auch mit Daunenfüllung oder als Wende-Cape mit hochwertigem Shetland-Schafswollfutter. Preis ab 334,95 €
www.fjallraven.de

4. Arctips Classic Stiefel
Filzstiefel aus reinster Merinowolle in Form traditioneller Lappenstiefel. So bleiben die Füße schön warm und die Gummisohle bietet einen guten Halt bei Schnee und Eis. Preis ca. 225 €
www.arctips.fi 

5. Vón von Guðrun & Guðrun
Dieser Pullover aus 100 % organischer Färörer Wolle ist durch die dänische TV Serie „The Killing“ zum Bestseller geworden. Gibts auch in braun mit weißen Sternen und blau mit hellgrauen Sternen. Preis ca. 310 €
www.gudrungudrun.com

1. Nansen von Devold
Super warme Mütze aus 100% norwegischer Wolle. Ein skandinavischer Klassiker. Preis ca. 24 €
www.devold.com


2. Fjellrapp Lady von Bergans
Perfekte Winterunterwäsche aus 100% Merinowolle. Kuschelig warm und bestens geeignet für alle Arten von Outdooraktivitäten. Preis ca. 70 €
www.bergans.de

3. Valle von Dale of Norway
Die Farben und Muster aus dem Setesdal ein echter Klassiker und gemacht für die Ewigkeit. Wie alle Srickprodukte von Dale of Norway ist auch dieses Stück aus 100% Schurwolle. Preis ca. 219 €
www.daleofnorway.de

4. Pyry von Nokian
Handgefertigte Stiefel aus Naturkautschuk mit Filzschaft. Nokian Stiefel zeichnen sich seit jeher durch hohen Tragekomfort aus. Der natürlicher Gummi wird selbst bei Temperaturen von bis zu – 40°C weder steif noch rutschig. So kommt man sicheren Schrittes und mit warmen Füßen durch den finnischen Winter. Preis ca. 70 €
www.nokianjalkineet.fi 

5. Könikkä von Halti
Komfortable Fleece-Handschuhe für Outdoor-Aktivitäten mit Antirutsch-Silikon-Druck auf der Handfläche. Preis ca. 25€
www.halti.fi

Ich hoffe, nun seit ihr gewappnet für den Winter! Was es sonst noch so zu beachten gibt und wie man der Kälte am besten begegnet, dass erfahrt ihr dann in den nächsten Tagen.

Seid gespannt!

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Fotos: Michaela Fuchs und Hersteller

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