finnische Preiselbeeren

Lappland im Herbst:
Die kulinarischen Schätze
des Waldes

Wenn sich die Bäume verfärben und sich ein rot-orange-gelber Teppich von Norden nach Süden über Finnland ausbreitet, dann ist in Lapplands Wäldern Hochbetrieb.

Der Herbst beginnt im hohen Norden wesentlich früher, als in unseren Breitengraden. Oberhalb des Polarkreises gibt es oft schon im August die ersten Nachtfröste. Dieses Jahr hatte ich das erste mal am
3. August das Gefühl, dass der Herbst an die Türe klopft. Als ich morgens vor lauter Frühnebel den Waldrand kaum erkennen konnte. In solchen Momenten sehe ich die Pilze förmlich aus dem Boden sprießen. Aber keine Bange, die spätsommerliche Sonne hat noch solch eine Kraft, dass ich für gewöhnlich im T-Shirt durch die Wälder streiche.

 

Sammlerglück in Lapplands Wäldern

Während ich mich auf die Beeren konzentriere, Moltebeeren, Blaubeeren, Preiselbeeren und Krähenbeeren, gibt es für manch einen nichts Schöneres, als mit einem Pilzmesser loszuziehen. Jedem das seine! Ich habe mich leider als Kind mal an Pilzen übergessen und nehme schon reiß aus, wenn ich den Duft von gebratenen Steinpilzen nur rieche. Aber wenn ich besonders schöne Steinpilze, Rotkappen oder Birkenpilze sehe, dann kann auch ich oft nicht an ihnen vorbeigehen. So kommt es, dass ich doch recht häufig eher ungewollt mit Pilzen vom Hundespaziergang zurückkomme. Die werden dann getrocknet und zu Weihnachten an Freunde und Bekannte verschenkt.

Beeren in der Hand

Preiselbeeren

Elchjagd – die fünfte Jahreszeit

Tja, und wo die Sammler sind, sind auch die Jäger nicht weit. Die Jagdsaison bedeutet für so manch einen Finnen die fünfte Jahreszeit. Also wundert euch nicht über Männer in orangenen Warnwesten! Sie treten zu dieser Jahreszeit gehäuft auf und vorzugsweise in Gruppen. Gejagt werden in erster Linie Elche. Jedes Jahr wird festgelegt, wie viele Tiere geschossen werden dürfen. Aber auch Bären und Wildenten haben Saison. Die Jagd gehört in Lappland zur Kultur. Bedenkt man, dass nicht selten der nächste Supermarkt 50 km entfernt liegt. Verwundert es nicht weiter.
Der krönende Abschluss der Elchsaison ist die Elchversteigerung. Die findet meistens im Gemeindesaal oder Schule der jeweiligen Jagdgemeinde statt. Eingeladen ist das ganze Dorf, es gibt für alle Hirvikäristys und natürlich kahvi ja pulla. Alle Landbesitzer in dessen Wäldern ein Elch geschossen wurde, bekommen schon mal ein ganzes Elchbein. Ansonsten können alle Anwesenden diverse Elchstücke ersteigern. Leider verpasse ich sie meistens, sowie auch dieses Jahr.

Lappland im Herbst – Beerenzeit

Sobald der Herbst vor der Türe steht, gibt es für mich kein halten mehr. Jetzt kann gesammelt, gepflückt, eingekocht und getrocknet werden! Zu dieser Jahreszeit bin ich eigentlich immer mit einem Eimerchen bewaffnet, sobald ich das Haus verlasse. Denn es ist fast undenkbar an den kulinarischen Schätzen vorbeizugehen. Man streicht durch die Wälder und braucht sich nur zu bedienen. Und Dank dem finnischen Jedermannsrecht ist das auch völlig legal!
Dieses Jahr war nicht nur ein Hitze-Rekordjahr, sondern auch ein Beeren-Rekordjahr. Es begann schon im Hochsommer mit der wundersamen Vermehrung der Himbeeren und ging nahtlos in die Blaubeer-, Preiselbeersaison über. Die vielen Sonnenstunden im Sommer haben sie besonders süß und wohlschmeckend gemacht. Meine Vorratskammer ist also gut gefüllt, wie ihr euch sicherlich denken könnt.

Einkochen, trocknen & mehr

Aber was macht man nun aus all den wilden Köstlichkeiten, fragt ihr euch vielleicht? Ich verrate euch, wie ihr was am besten haltbar machen könnt.

Preiselbeerkompott

Preiselbeeren

In Finnland wird ein Großteil der Preiselbeeren zu Preiselbeerkompott verarbeitet, das traditionell zu Rentier- und Kohlgerichten serviert wird. Bei mir wandert es allerdings auch ganz gerne mal in eine Preiselbeer-Biskuitrolle. Aus dem anderen Teil macht man Saft oder sie kommen in die Tiefkühltruhe. Schließlich braucht man auch noch Beeren für den morgendlichen puuro. Letzteres entfällt bei mir, da ich die Tiefkühltruhe ausschalte, wenn ich wieder zurück nach Deutschland fahre.
Preiselbeeren sind ein wahres Einkochwunder sie stecken voller natürlicher Konservierungsstoffe und lassen sich daher hervorragend einmachen, aber dazu mehr in dem Post mit meinem Rezept für Preiselbeerkompott. Speziell für die Weihnachtszeit stelle ich aus ihnen auch ganz gerne mal Chutneys her, dafür bieten sich besonders gut Äpfel oder Orangen an. Auch in Kombination mit Sauerkraut (Sauerkraut-Kuchen mit Speck und Preiselbeeren) sind Preiselbeeren ein echter Hit!

Blaubeerzweig

Blaubeer Cheesecake

Blaubeeren

Wer mich schon ein Weilchen kennt, weiß ich liebe Blaubeeren! Ich habe dieser Frucht sogar schon ein ganzes E-Book (Mein Blaubeer-Sommer) mit vielen süßen aber auch herzhaften Rezepten gewidmet. Wenn ich sie jedoch nicht direkt verarbeite, dann mache ich aus ihnen sowohl Kompott als auch Marmelade oder Sirup. Eigentlich würde ich noch zwar lieber Saft anstatt Sirup machen, aber da ich auf dem langen Weg zurück nach Deutschland keine durchgehende Kühlung garantieren kann ist mir das dann irgendwie doch zu heikel.

Cloudberry

Moltebeeren

Moltebeeren sind das Gold der Wälder Lapplands und sind wahrscheinlich die für uns ungewöhnlichste Beerenart. Sie sehen ein wenig aus wie oranggoldene Brombeeren und haben einen leicht bitter-säuerlichen Geschmack und passen hervorragend zu Käse, besonders gut zu der lappländischen Delikatesse Leipäjuusto.
Da sie relativ empfindlich sind, sollten die kleinen Vitamin C-Bomben nach dem Pflücken zügig verarbeitet werden. Ähnlich wie aus den Preiselbeeren, mache ich daraus Kompott mit relativ wenig Zucker, da auch sie schon von Haus aus natürliche Konservierungsstoffe enthalten. Manche mögen die kleinen Kerne in den Beeren nicht und machen aus ihnen lieber Gelee. Ich finde, das ist völlige Verschwendung, da dadurch zu viel Abfallprodukte entstehen von dieser doch so wertvollen Frucht. Und wer schon mal durch Lapplands Sümpfe auf der Suche nach Moltebeeren war, weiß, wovon ich spreche!

arktische Beeren

Krähenbeeren

Es gibt manchmal bessere oder schlechtere Preiselbeer- oder Blaubeerjahre aber Krähenbeeren gibt es eigentlich immer reichlich. Zum direkten Verzehr sind sie eher nicht geeignet. Kann man zwar, aber im rohen Zustand schmecken sie nach nicht viel, höchstens leicht bitter. Dennoch lohnt es sich sie zu pflücken, schon alleine wegen ihres hohen Vitamin C-Gehaltes. In Lappland werden aus den Beeren ähnlich wie aus Blau- und Preiselbeeren, Saft und Kompott gemacht. Ich mische sie auch mal ganz gerne mit Blaubeeren für Marmelade. Heißer Krähenbeeren- und Preiselbeersaft sind übrigens mein Top-Tipp für die Erkältungszeit. Sobald es bei mir in der Nase anfängt, zu kribbeln setze ich auf die konzentrierte Kraft der arktischen Beeren. Ich weiß nicht, ob es der Glaube ist oder die diversen inhaltlichen Wirkstoffe, es hilft jedenfalls.

Vogelbeerbaum

Vogelbeeren

Die Vogelbeeren werden meistens zu Gelee verarbeitet und passen mit ihrem herb-süßen Geschmack perfekt zu Wildgerichten. Für mich eine echte Alternative zu den Preiselbeeren. Obwohl sie roh quasi ungenießbar sind, werden sie nach dem Kochen schön mild. Ich warte immer die ersten Nachtfröste ab, bis ich sie ernte. Angeblich sollen sie, nachdem sie Frost abbekommen haben süßer werden. Da das in Lappland meist kein Problem ist mit dem Nachtfrost, bin ich sowieso noch nie in die Verlegenheit gekommen, sie vorher zu pflücken.

Moosbeeren

Auch mit dem Pflücken von Moosbeeren sollte man den ersten Frost abwarten. Aber sie sind sowieso die Beere, die erst zum Schluss der Beerensaison reif werden. Unsere Nachbarin zieht oft sogar nochmal los, wenn schon der erste Schnee gefallen ist. Dazu fällt mir nur sisu ein! Denn ähnlich wie die Moltebeeren wachsen sie eher in den Sümpfen und lassen sich nicht mit einem Beerenkamm pflücken, sondern müssen einzeln per Hand gepflückt werden. Ansonsten erinnert sie geschmacklich eher an die Preiselbeeren. Auch aus ihnen lässt sich Saft und Marmelade machen.

Rentiergericht

Wacholderbeeren

Wacholdersträucher wachsen in Lappland oft am Waldesrand. In meinem Fall direkt hinterm Haus. Das ist ganz praktisch, so kann ich, wenn ich Wild oder Rentier zubereite ganze Wacholderzweige zum Aromatisieren mit in die Pfanne geben. Natürlich pflücke und trockne ich die Beeren auch um einen Vorrat für die Wintermonate zu haben. Ansonsten werden Wacholderzweige auch ganz gerne zum Aromatisieren von Schnaps verwendet. Was man im Übrigen auch gerne mit den Vogelbeeren macht. Während man die andern Beeren lieber zu Likör ansetzt.

Pilzsaison

Pilze

Das Thema Finnland und Pilze würde sicherlich einen eigenen Post verdienen. Aber da ich ja wie gesagt sowieso nicht der große Pilzfreund bin, auch wenn ich mich in den letzten Jahren immerhin wieder an Pfifferlinge und Champignons herangetastet habe, werden die wenigen, die ich kenne einfach nur in dünne Scheiben geschnitten und getrocknet. So bleibt mehr für die Rentiere, denn auch sie sind auf der Suche nach den schmackhaften Pilzen um sich ein Fettpolster für den nahenden Winter zuzulegen.

 

Wer mehr darüber erfahren möchte welche Beeren wann, wie und wo in Lappland wachsen sollte mal bei Schweden und so vorbei schauen. Ob schwedisch oder finnisch Lappland ist in dem Fall egal 😉

>>> Auf Beerenjagd in Schweden (Teil 1)
>>> Die Moosbeere in Schweden – Tranbär
>>> Blaubeeren in Schweden

 

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade Waldrausch von Finnweh

  1. Oh was für ein toller Post! Da hab ich ja gleich wieder Inspiration für die nächste Beerenernte 🙂 Vielen Dank!

  2. Pingback: Norwegische Weihnachtsbäckerei: Krumkaker • MAHTAVA!

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